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Weibliche Lernstichprobe

Bisher bilden nur nachkommengerpüfte Bullen die Lernstichprobe für die genomische Zuchtwertschätzung. Diese Tiere sind alle genotypisiert und verfügen über viele Phänotypen, also Informationen aus der Leistungsprüfung. An diesen Tieren wird das System der genomischen Zuchtwertschätzung geeicht, so dass auch für junge Tiere, die nur über eine Genotypeninformation aber noch nicht über eigene Phänotypen (Ergebnisse aus der Leistungsprüfung) verfügen, schon sichere Zuchtwerte berechnet werden können. Dies gilt jedoch nur für Merkmale, für die schon lange eine Leistungsprüfung etabliert ist. Für die neuen Merkmale, z.B. der Gesundheit und Effizienz, wie sie auch in FLECKfficient erfasst werden sollen, liegt für diese Altbullen keine Information vor.

Eine Lösung des Problems ist die Etablierung einer weiblichen Lernstichprobe. Hier gehen neben den genotypisierten und nachkommengeprüften Bullen weibliche Tiere mit ihren Genotypen und ihren Eigenleistungen in die Lernstichprobe ein. Dies hat mehrere Vorteile: Zum einen werden dadurch die Sicherheiten einzelner genomischer Zuchtwerte erhöht, da viel mehr Tiere in die Probe eingehen. Denn allgemein gilt, je größer die Datenmenge ist desto sicherer ist letztendlich das Ergebnis. Das liegt hauptsächlich daran, dass Ausreißer keinen so starken Einfluss mehr auf das Ergebnis haben. In der grafischen Darstellung von Goddard und Hayes wird dies deutlich. Ein genomischer Zuchtwert mit einer Heritabilität von 10% weist bei 2.000 Tieren in der Lernstichprobe eine Sicherheit von ungefähr 0,22 auf. Werden hingegen 10.000 Tiere in die Lernstichprobe genommen steigt die Sicherheit auf ca. 0,46 an.

Diagramm zum Zusammenhang der Anzahl der Individuen in der Lernstichprobe mit der Höhe der Sicherheiten der genomischen Zuchtwertschätzung

Abb.: M. E. Goddard und B. J. Hayes (2009): Mapping genes for complex traits in domestic animals and their use in breeding programmes, Nature Reviews Genetics volume 10, Seiten 381–391.

Des Weiteren können aufgrund des größeren Datensatzes neue Merkmale viel schneller in die genomische Zuchtwertschätzung etabliert werden. Das hat mit dem Verfahren der Zuchtwertschätzung zu tun. Bei dieser wird erst einmal eine Lernstichprobe erstellt, die möglichst genaue Zuchtwerte von unverwandten Tieren beinhaltet. Bei einer Anzahl von ca. 10.000 Bullen mit sicheren genomischen Zuchtwerten dauert es seine Zeit bis genügend unverwandte Tiere zusammen sind. Bei der deutlich größeren Anzahl an Kühen ist diese Spanne erheblich kürzer. Nähere Informationen zu den neuen Merkmalen finden Sie hier.

FLECKfficient will mit mindestens 20.000 Genotypisierungen weiblicher Tiere einen Beitrag zur weiblichen Lernstichprobe im DAC-Zuchtwertschätzsystem leisten. Partnerprojekte sind hier FohKUHs in Österreich und FLEQS in Bayern. Durch die Genotypisierung weiblicher Kälber entsteht ein hoher Nutzen für die teilnehmenden Fleckvieh-Zuchtbetriebe:

  • Aufzucht der besten Kälber
  • Frühzeitiger Verkauf von Kälbern/Rindern, die nicht für die eigene Remontierung benötigt werden
  • Einsparungen von Aufzuchtkosten
  • Gezieltere Anpaarung von Kühen und Bullen und damit
  • Steigerung der betrieblichen Leistung in allen drei Merkmalskomplexen (Zuchtfortschritt, Herdengesundheit, Ökonomie)

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